Sep 02 2010
Als wir am nächsten Morgen aufwachten, konnten wir sehen, wo wir am Vorabend angekommen sind. Der Campground lag mitten auf einer größeren Lichtung im Wald und direkt daneben floss ein kleiner Bach, der wohl Slab Hut Creek heißen musste. Von der Slab Hut war allerdings nichts zu sehen. Während ich (noch) nicht raus in die Kälte wollte, hatte Mik sich für einen Morgenlauf entschieden. Das „noch“ hielt allerdings nicht sehr lange, weil wir nach dem dreitägigen Wandertrip im Abel Tasman Nationalpark dringend eine Grundreinigung brauchten
Das Problem: Es gibt keine Duschen in der Wildnis. Aber solange mitten auf dem Campingplatz ein einzelner Wasserhahn in Hüfthöhe an einem Pflock befestigt ist und beim Aufdrehen eisiges Wasser herauskommt, muss das eben dann als Dusche herhalten! Zum Glück – für mich – brachen gegen Ende der Säuberungsaktion die ersten Sonnenstrahlen des Vormittags durch den Hochnebel. Egal wie kalt die ganze Angelegenheit auch gewesen ist, wir fühlten uns sauber und bereit für den nächsten Abschnitt der Südinsel-Tour.
Zuerst mussten wir wieder gute 10 Kilometer zurück nach Reefton fahren, wo wir vollgetankt haben. Von dort aus ging es weiter in Richtung Norden – ja, das ist richtig und Lyell ist schuld! – nach Westport. Dort sind wir allerdings nicht in die Stadt gefahren, sondern davor links nach Süden abgebogen. Sieht nach einem großen Umweg aus – stimmt auch, aber in unseren Reiseführern stand, dass er sich wegen der grandiosen Landschaft auf jeden Fall lohnen würde. Die Bücher sollten Recht behalten. Auf dem Weg nach Greymouth beschlossen wir spontan einen Zwischenstopp an der Küste zu machen und zu einer Seehundkolonie zu laufen. Der Pfad dorthin führte an einem Leuchtturm, hügeligen Schafsweiden und Pferdekoppeln vorbei und direkt an der Steilküste entlang, gegen die die hohen Wellen der Tasmanischen See krachten. Dazu war der Himmel wieder strahlend blau und die Sonne schien wärmend auf uns herab. Bis zu den Seehunden brauchten wir eine gute halbe Stunde. Dort angekommen merkten wir auch, dass es wohl noch einen näher gelegenen Parkplatz geben musste, denn dort tummelten sich die Touris. Wie sie, aber weiter unten am Wasser, tummelten sich entweder sich faul die Sonne auf den Bach scheinen lassend, auf den Felsen kämpfend oder in der Brandung spielend auch die Seehunde.
Wieder zurück im Auto sind wir weiter nach Süden zum nächsten Touristenmagnet – den Pancake Rocks – gefahren. Dort in Punakaiki ist alles auf diese sonderbaren Gesteinsformationen ausgelegt. Zur Attraktion selbst kommt man durch ein großes steinernes Tor, die Laufrichtung dorthin ist vorgeschrieben und die Wege selbst sind asphaltiert, dass auch jedes asiatische Mädel in Highheels (live erlebt) bis vor an die Steilküste kommt. Andererseits verstehe ich auch das Argument, dass die Wege vielleicht für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen so gut befestigt sind. Trotzdem hat – meiner Meinung nach – dieser Ort dadurch seinen Charme verloren. Nicht, dass ich wüsste, wie es vorher aussah. Aber ich weiß, wie es an vergleichbaren Orten in NZ ist. Kurz gesagt: so beeindruckend fand ich die Pancake Rocks jetzt nicht gerade – und das lag ganz bestimmt nicht an den immer wieder herunterkommenden kurzen Regenschauern. Mich hat vielmehr der Blick nach Westen aufs offene Meer mit dem beginnenden Sonnenuntergang beeindruckt.
Mit schwindendem Tageslicht haben wir unsere Fahrt nach Süden fortgesetzt und sind über Greymouth nach Hokitika weitergefahren. In Hokitika waren wir beide zuvor schon, als wir mit dem Tramping Club den verregneten Trip zu den Welcome Flats gemacht haben. An diesem Abend sind wir jedoch nicht nach „Downtown“ Hokitika, sondern schon davor im Ort links in Richtung Arthurstown abgebogen. Das Ziel für diese Nacht sollte Hans Bay am Lake Kaniere sein. Doch in der Siedlung Kaniere haben wir erst einmal den Wegweiser zum See übersehen und sind kilometerweit an ihm vorbeigefahren. Wieder in Kaniere angelangt, bemerkten wir die Abzweigung und fuhren zum Lake Kaniere. Die Fahrt dorthin war ziemlich düster, weil die Straße sich durch sehr dichten West Coast-Wald führte. Am Lake Kaniere wurden wir ziemlich davon überrascht, dass Ferienhäuser das Ufer säumten. Der See muss wohl im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel und so etwas wie ein Naherholungsgebiet sein. Dementsprechend groß ist auch der Campingplatz. Er zieht sich etwas den Hang hoch und besteht so aus mehreren Ebenen. Nach einer kleinen Erkundungstour mit dem Allradvan, wussten wir, dass wir wieder einmal die einzigen Übernachtungsgäste waren. Nach einem kleinen Abendessen und der obligatorischen Suche nach sanitären Einrichtungen, die in Hans Bay fast schon als luxuriös zu bezeichnen sind, sind wir schlafen gegangen.
Hier gibt’s die Bilder zum Tag.
Sep 01 2010
Früh morgens – draußen ist es noch stockdunkel – klingelt der Handywecker. Doch vor halb sieben konnten wir uns nicht aus den Schlafsäcken in die morgendliche Kälte in der Hütte bequemen. Weil die Ebbe dann aber schon ihren niedrigsten Stand erreicht hatte, mussten wir uns mit Morgenhygiene und Frühstück etwas beeilen. Trotzdem fiel es im üblichen Umfang aus – zumindest das Frühstück
Gegen sieben haben wir mit Sack und Pack Awaroa Hut bei langsam aufgehender Sonne verlassen. Weil es am Vorabend schon so dunkel war, sahen wir die Umgebung jetzt zum ersten Mal. Die Hütte liegt direkt an einer Bucht mit dem passenden Namen „Awaroa Inlet“, in die ein kleiner Fluss mündet. Je nach Tide ist die Bucht vollständig mit Wasser gefüllt oder beinahe eine trockene Sandfläche, die nur von zwei Flussarmen durchschnitten wird. Die anderen Deutschen kamen am Vorabend klitschnass in der Hütte an. Sie hatten die Bucht bei hoher Tide in voller Montur gequert.
Beim ersten Flussarm habe wir die Wanderschuhe ausgezogen und gegen Jandals (zumindest ich – Mik ist barfuß weitergegangen) getauscht. Das Wasser war EISig kalt. Die Flipflops schützten zwar vor Verletzungen durch Muscheln, aber sie blieben bei jedem Tritt im Schlick stecken. Das machte das Fortkommen nicht gerade leicht. In gut zwanzig Minuten haben wir die Mündung sicher gequert. Am anderen Ende der Bucht markierte ein gigantisches orangenes Dreieck den weiteren Weg auf dem Festland.
Nachdem unsere Füße entsandet und getrocknet waren, sind wir dem Track weiter nach Norden in Richtung Totaranui gefolgt. Obwohl wir nur eine gute Stunde bis zum Ziel unterwegs waren, war dieser Teil wieder einzigartig schön. In der warmen Morgensonne bei strahlend blauem Himmel liefen wir über den feinsandigen und beinahe orangenen Strand von Goat Bay und hatten einen traumhaften Blick von Skinner’s Point über den langgezogenen Totaranui Beach. Neben dem von Sandflies belagerten ist ein riesiger Campingplatz, der erkennen lässt, dass dort im Sommer wohl die Hölle los sein muss. Zu dieser Jahreszeit waren wir aber die einzigen Wandergäste. Wie wir schon zuvor bemerkt haben, ist wohl die Nord-Süd-Route die populärste Variante.
Wir sind zuerst an den Strand gegangen und haben uns ein zweites Frühstück mit Tee gemacht. Danach haben wir die Umgebung nach weiteren Trampingmöglichkeiten abgesucht, weil wir bis zur Abfahrt des Wassertaxis zurück nach Marahau um 2:45pm noch mehrere Stunden Zeit hatten. Wir fanden einen kleinen Rundweg, der vom Strand aus durch dichten Regenwald und über eine tidenabhängige Bachmündung wieder zurück nach Totaranui führte. Am letzten Teilstück hätten wir uns fast zu viel Zeit gelassen: zu unserer Überraschung kam die Flut doch bedeutend schneller, als wir dachten
Trotzdem haben wir es noch trockenen Fußes zurück an den Strand geschafft. Dort wollten wir es noch einmal mit den Sandflies aufnehmen, nach einer guten halben Stunde mussten wir aber aufgeben, weil wir sonst regelrecht aufgefressen worden wären. Anstatt am Strand haben wir uns dann vor dem Haus der DOC-Campingleitung auf Bänke gesetzt. Leider standen die die meiste Zeit in der prallen Sonne, sodass es nach einer Stunde ziemlich heiß geworden war. Bevor wir wieder an den Strand gegangen sind, um auf das Wassertaxi zu warten, haben wir uns noch alle Wasserbehälter mit Trinkwasser aufgefüllt, weil das Wasser sehr lecker geschmeckt hat. Das Totaranuiwasser war mit Abstand das beste Trinkwasser des gesamten Trips!
Das Wassertaxi kam pünktlich um viertel vor 3 in Totaranui am Strand an. Mit einem Zwischenhalt in einer Bucht, in der der Steuermann (oder Taxifahrer) zwei Kajaker mitsamt Gepäck aufgenommen hat, waren wir nach einer guten halben Stunde wieder in Marahau. Dort wurde das Boot mit den Insassen auf einen Anhänger geladen und mit einem Traktor zu einem Kajakverleih gebracht. Von dort aus mussten wir noch ein kleines Stück bis zu dem Parkplatz laufen, an dem wir den Beer-Van geparkt hatten. Und er stand auch noch so da, wie wir ihn drei Tage zu vor verlassen hatten.
Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten (ich musste meinen Rucksack komplett entleeren, weil der ja geliehen war), sind wir zurück nach Motueka gefahren. Dort haben wir den Rucksack zurückgegeben, in einem Internetcafé mit der Außenwelt in USA und Deutschland Kontakt aufgenommen, die Stadt erkundet und bei New World Essen eingekauft. Schließlich sind wir wieder in den Van gestiegen und haben uns auf den Weg in Richtung Süden zum nächsten Campingplatz in der Nähe eines kleinen Dorfs namens Lyell gemacht.
Es war schon später am Abend und dunkel draußen, als wir die Abzweigung zum DOC-Campingplatz in Lyell erreichten. Dort war eine große Baustelle und die Zufahrt zu Lyell war komplett ausgebaggert und demnach gesperrt. Auf der DOC-Website war aber kein Hinweis dazu zu finden. Das hat uns so geärgert, dass wir schon beinahe froh waren in Lewis Pass vergessen hatten für die Übernachtung zu zahlen. Wir mussten also notgedrungen zum nächsten Campground fahren, der noch eine weitere Stunde südlich aber etwas abseits von der optimalen Route lag. Geschafft und müde erreichten wir spät abends Slab Hut Creek (ca. 10km nach Reefton), wo wir wieder einmal die einzigen Gäste waren. Nach einem langen Tag aber schönen und erlebnisreichen Tag sind wir schnell eingeschlafen.
Nach 839 Wörtern Text, gibt es hier die Bilder.
Aug 31 2010
Vor unserem Trampingtrip im Abel Tasmin National Park waren wir noch in Motueka Einkaufen und ich habe mir dort einen Rucksack ausgeliehen. Ready to go sind wir mit dem Beer-Van in Richtung Abel Tasman National Park aufgebrochen.
Doch leider kamen wir nicht weit, denn wir sind zu Mik’s großem Verhängnis an einer Kreuzung rechts abgebogen an der wir hätten geradeaus fahren müssen. Wir wollten gerade umdrehen, als ein Polizeiauto mit Blau(-Rot-)licht uns zum links ran fahren aufforderte. Das Auto hielt ebenfalls, ein Polizist stieg aus und kam auf der Fahrerseite ans Auto. Uns war vollkommen unklar, welchen Fehler wir begangen haben könnten, weil wir wirklich niemals zu schnell gefahren sind und immer ganz bewusst auf diese bescheuerte Abbiegeregel geachtet haben. Der Polizist sagt uns, dass wir beim Rechtsabbiegen (in die falsche Straße) gerade eben ein entgegenkommendes Auto geschnitten hätten und weil diese Kreuzung ein unfallträchtiger Punkt in der Stadt ist, müsste dieses Vergehen mit einer Geldbuße geahndet werden. Der Abbiegevorgang aus unserer Sicht: wir standen auf der Abbiegespur nach rechts und gegenüber stand ein Truck (Geländewagen) auf der Abbiegespur nach rechts in die gegenüberliegende Straße. Weil der Geländewagen ziemlich groß war, verdeckte er die Gegenfahrbahn etwas, so dass wir das rote Auto nicht gut sehen konnten. Wir sahen es erst, als wir abbogen. Das rote Auto musste aber nicht abbremsen, um eine Kollision mit uns zu verhindern. Das war alles andere als knapp. Nun gut – eine Amerikanerin und ein Deutscher sitzen in einem Bierbus und der Polizist hat Recht. Er wollte einen Strafzettel über NZD 250 ausfüllen, hatte aber keinen Block dabei. Also mussten wir warten, bis ein Kollege kam und ihm einen brachte. Beim überreichen des Strafzettels fügte er zu Mik gerichtet hinzu, dass sie einen Monat Zeit hätte ihn zu begleichen. Außerdem sagte er, dass die neuseeländische Polizei wohl kaum bis nach Wisconsin kommen würde, um das Geld einzufordern. Nachdem er das auf unsere Nachfrage noch einmal bestätigt hat, haben wir das eindeutig als „Freibrief“ verstanden. Bis jetzt kam auch noch keine Zahlungsaufforderung…

Danach haben wir die richtige Abzweigung gefunden und sich auch sicher in Marahau angekommen. Ab jetzt wurde jede Kreuzung drei mal inspiziert, bevor man irgendwohin abgebogen ist…
Ich muss schon sagen, dassich Wordle-technisch stark nachgelassen habe. Deshalb gibt’s heute ein Wordle für die vergangenen 3 Monate. Damit hat es sich aber noch längst nicht ausgewordlet, denn die letzten neun Tage meines Südinsel-Rundtrips sind noch immer nicht zu Papier – oder muss es in diesem Fall “zum Bildschirm” heißen?? – gebracht.

2010-06-07-08 Wordle
Hier geht’s zur Wordle-Bildergalerie.
Aug 18 2010
Wie ich heute ganz überraschend per e-Mail erfahren habe, ist mein Neuseeland-Blog nz.friiitz.de für den NZ-Award 2010 des Instituts Ranke-Heinemann nominiert worden!
Das Institut Ranke-Heinemann ist eine in Deutschland, Österreich und der Schweiz agierende Organisation, die neuseeländische und australische Hochschulen in ebendiesen Ländern vertritt und für interessierte Studenten und Studentinnen kostenlos das Bewerbungsverfahren und die Korrespondenz mit den ausländischen Unis managed. Darüber hinaus bieten sie auch noch Informationsmaterial über Land und Universitäten und ebenfalls kostenlose Informationsveranstaltungen zum Studium Down Under und auch Vorbereitungskurse für z.B. Sprachtests.
Mit dem NZ-Award zeichnet das Institut Ranke-Heinemann besonders gelungene und lesenswerte Webseiten zum Thema Auslandsaufenthalt in Neuseeland aus.
Wenn ihr auch der Meinung seid, dass mein Neuseeland-Blog nz.friiitz.de besonders gelungen und lesenswert ist, dann stimmt fleißig für mich ab. Dazu klickt ihr entweder auf das NZ-Award Nominee-Logo rechts auf der Seite. Wenn ihr euren Cursor nicht so weit bewegen wollt, dann könnt ihr aber auch hier drauf (http://www.ranke-heinemann.de/neuseeland/nzaward.php?vote=113) klicken.
Ich würde mich sehr freuen, wenn dem Kiwi im NZ-Award-Logo durch eure Stimmen noch die Krone aufgesetzt wird. Jetzt aber genug der Infos – jetzt geht’s an’s ABSTIMMEN!!!